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Nov. 24th, 2008

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Nov. 17th, 2008

"Nur neurotische, Karrieregeile Weiber tragen schwarz"

Gestern Abend noch fiel die Entscheidung, mich mehr für meine Ausbildung einzusetzen. Vorbei ist die Zeit des Zögerns, ich will frei sein von den Zwängen des Alltags und von der Behaglichkeit des Berufes – oder war es anders herum? Keine Ahnung.

Längst hat die Farbe schwarz für mich an Symbolkraft verloren – keiner wird jünger, trotzdem wurde mir Zeit geschenkt: Ich durfte noch einmal das nachholen, was ich so gerne viel früher gewesen wäre: Der coole schwarzmähnige, immer aufsässige und stehts kampfbereite Rebell. Eine schöne Welt, aber irgendwie – trotz aller Freiheit – immer noch zu eng, zu kleingeistig. Freiheit? Ja, aber nur innerhalb der schwarzen Szene. Aber Dunkelheit hat eine empfindliche Schwäche – das kleinste Licht vertreibt sie. Und meine Seele refraktiert Licht in allen nur denkbaren Farben, mal eine mehr, mal die andere. Momentan ist – im Sinne des Klischees – rosa (noch) sehr stark vertreten, die schwarzen langen Haare sind längst dem schönen Platinblond gewichen und die kniehohen New-Rock-Stiefel eingemottet - aber ich verspüre bereits wieder eine anklingende Sehnsucht nach dunkleren Farben. Doch ich schweife ab.

 

„Man merkt plötzlich, dass man an einer Weggabelung im Leben steht – und man weiß nicht, ob man vorwärts oder rückwärts gehen will.“ Dies schrieb ich heute morgen an jemanden, der unbeabsichtigterweise dieses merkwürdige Gefühl in mir hervorrief. Oder sagen wir besser: freilegte. Sein Blogeintrag versetzte mich schlagartig in meine eigene Jugend zurück: Ein Kind, dass die Gesellschaft anderer Menschen nicht gewohnt ist. Ein Kind, dass sich nichts sehnlicher wünscht, als „dazu zu gehören“ - und sich trotzdem in jeder Menschenmenge unwohl, beobachtet und bedrängt fühlt, Fluchtinstinkte entwickelt und die eigene Schwäche durch Rollen, in die es schlüpft, zu kompensieren – in der Hoffnung, dabei eine zu finden, in der es Anschluss findet. Eigentlich bedauernswert. Umso schlimmer die Erkenntnis, dass sich eigentlich bisher nichts geändert hat. Die erst jüngst verstrichene Halloween-Party 2008 zeigte es einmal mehr.

 

Und jetzt?

 

Ich sitze im Büro, trage schwarze Klamotten und bin in „C.C. Babcock-Laune“. Und doch kann ich an nichts anderes denken als an Vergangenes und Zukünftiges ... die Realität verschwimmt wieder ... ich weiß nur, sie wird erstens wieder anders – und zweitens als ich denke.

Und beim durchlesen ergibt dieser Text irgendwie wenig Sinn für einen Fremden, oder?Ist jemand da draussen feinfühlig genug, um sich in eine solche Lage zu versetzen?


Nov. 13th, 2008

(no subject)

Heute morgen schwang ein - wie ich finde - äußerst ulkiger Versprecher durch den Äther: Die Dame in der Funkzentrale des Westdeutschen Rundfunks No. 5 erzählte von "Al-Qaida Touristen" ... natürlich waren "Terroristen" gemeint. Aber ich denke mir, es wäre durchaus möglich, das ganze in unserem fortgeschrittenen 21. Jahrhundert touristisch zu vermarkten. Mir schwebt da ein dicker Tourist im Hawaiihemd, in kurzen Hosen und bestrumpften Füßen in klobigen Sandalen vor, der aufgeregt zu seiner neuen Aldi-Wegwerf-Digital-Spaßkamera greift, um hautnah für sein neues kostenloses Web-Fotoalbum (welches im neuen DSL-Flatrate-Paket enthalten war) zu dokumentieren, was Terroristen so in ihrer Freizeit tun. "Schön stillhalten bitte, ... und jetzt "Käse" sagen" ....
Die Einnahmen durch den Tourismus fallen natürlich neuen Ausbildungszentren zu gute.

Oct. 5th, 2008

Ein Rosa Rabe auf Reisen

I - Reisefieber

Ich muss es ja gestehen – ich bin eine rastlose Seele. Jedenfalls in der Jahreszeit, in welcher der Wind vom herannahenden, frostigen Schlaf kündet. In jener Zeit, wo der Wind zur Reise aufruft und er jedes Herz aus dem Hier und Jetzt zum Horizont aufblicken lässt. Es ist genau die Jahreszeit, zu der sich die Bäume mit ihren kräftigsten Farben krönen und sich mancher reizvolle Ausblick hinter einer dicken Nebelwand verbirgt: Es ist Herbst.

Wie jedes Jahr macht sich nun seit nunmehr einigen Wochen jene Unruhe in mir breit, die manche als „Weltschmerz“ abtun – jener als Krankheit abgestempelte Gemütsregung, gegen die man immer noch nicht das richtige Medikament gefunden habe. Auch rosafarbene Raben sind nicht dagegen gefeit (so man denn von einem rosa Raben im Plural sprechen kann, habe ich doch noch keinen anderen außer mir gesehen) so dass man, blickte man in den Flur meines kleinen Grenzhäuschens, einen gepackten Rucksack, eine altertümliche Fliegerbrille und einen alten Regenschirm entdeckte. Jedenfalls bis gestern.

Irgendwann (und das kann sicher jeder bestätigen, der sich selbst schon – wenigstens einmal im Leben - zum unbekannten Horizont hingezogen fühlte) ist jedes Herz zu klein für die Spannung, die sich in ihm aufbaut. Die Hülle platzt und ein warmer, goldener Strom ergießt sich in die Seele. Man ist fortan der Meinung, es mit Allem und Jedem aufnehmen zu können. So war es nun auch bei mir. Ich sprang aus meinem gemütlichen Sessel auf, räumte noch schnell das Teeservice in die Spüle und hoppste zur Tür. Natürlich hatte ich mich sehr über den Besuch einer guten Freundin gefreut, welche auf einen Tee blieb, doch nun lag Arbeit vor mir. Den Rücken gewärmt von guter Freundschaft und den Magen gefüllt mit den fürwahr vortrefflichen Scones von gerade benannter Freundin zurrte ich den Rucksack fest, band den Schirm geschickt an ihm fest und setzte die Fliegerbrille auf. Auf diese Weise zum Flug gerüstet trat ich vor die Tür meines Hauses.

Ein kühler, aber nicht kalter Wind strich mir um den Schnabel und verfing sich in meinem Gefieder. Dieses blähte sich – jedenfalls meinem Empfinden nach – um fast das doppelte seines ursprünglichen Volumens auf. Sehr unvorteilhaft für die Figur, wie ich bemerken musste. Ich muss sicher sehr merkwürdig ausgesehen haben, als rosa Federkugel vor dem kleinen Häuschen. Aber was sollte ich machen? Ununterbrochen – und wesentlich stärker als zuvor – hörte ich den Wind meinen Namen rufen. Nein, „ oh Eitelkeit, verlasse mich!“ dachte ich bei mir und setzte zum Start an. Einmal in der Luft segelnd, würde ich sicherlich in der Lage sein herauszufinden, in welche Richtung mich das Säuseln in den Blättern lockte (bisher war mir das nämlich noch nicht so ganz klar). Außerdem würde sich auch mein Figurproblem dort oben bessern, befände ich mich erst einmal horizontal zur Luftströmung – Längsstreifen machen ja bekanntermaßen schlank. Ganz besonders dann, wenn man ein derart auffälliges Gefieder hat wie ich.

Eins (Flügel ausbreiten), zwei (loslaufen) und drei – HOPPS. Schon berührten meine Füße den Boden nicht mehr. In großen Kreisen um mein Haus schraubte ich mich in die Höhe, nicht ganz ohne einen romantisch-wehleidigen Blick auf die gemütliche Wärme, die ich zurückließ´- und flog los, dem Ruf meines Herzens folgend. Ich würde über das Grenzland fliegen, jenem endlosen Streifen zwischen Licht und Dunkelheit in der menschlichen Seele. Das Land, in dem Alles möglich, nichts zwingend, einiges sehr wahrscheinlich und vieles einfach anders ist…

Oct. 3rd, 2008

Zeit verfliegt, Zeit verrinnt ...

Lange ist es her, dass ich etwas gepostet habe - seit dem 11. April keine einzige Silbe, jedenfalls verrät mir das die Datumsanzeige meines letzten Postings. Und dabei ist so wahnsinnig viel passiert seit dem letzten Eintrag in mein virtuelles Tagebuch ...

Bevor ich mir jedoch die obligatorische Frage stelle, wo ich denn nun anfangen soll, zunächst etwas viel wichtigeres: In welcher Form soll ich meine Einträge halten? Als Geschichten (wie ich es ursprünglich vorhatte) ... oder vielleicht einfach in Tagebuchform, wie die meisten Weblogs, die ich kenne? Beides reizvoll, aber was soll ich tun, sollte ich einmal auf die Idee kommen, ein Gedicht posten zu wollen?

Ich denke, ich gehe den einzig möglichen Weg, der wohl auch am besten zu meiner Person passt - nämlich den Weg zwischen den Wegen - und werde einfach in der Form schreiben, nach der mir gerade ist.

Nun bitte ich mir nachzusehen, dass der heutige Eintrag nicht allzu geistreich ist. Zum einen hat er nur den Sinn, meinen Blog wieder zu "eröffnen" - zum anderen ist es mitten in der Nacht ... und ich wälzte mich bis vor einigen Minuten rastlos im Bett hin und her, bis ich einsah, dass eben dieses keinen Sinn macht und ich mich entschloss, etwas sinnvolles (oder wenigstens etwas, was einem sinnvoll erscheint, wenn man eigentlich viel zu müde ist) zu tun.

Zuletzt möchte ich nun allerdings noch die Headline meines Postings mit folgenden Worten ergänzen: Das Coppelius-Konzert am letzten Sonntag war (mal wieder) ein echter Gewinn - und rechtfertigte in jeder Weise den Hang-Over, der durch den immensen Schlafmangel verursacht wurde.

Apr. 11th, 2008

Im Garten des Grenzhäuschens - Kaffee oder Tee?

Die Männer und Frauen traten näher. Waren sie einer Sinnestäuschung erlegen? Schon von Anfang an kam ihnen das kleine, von rotem Wein überwucherte Häuschen merkwürdig vor. Hier, so kurz vor der Grenze zum Land der ewigen Schatten hatten sie kein solches Gebäude mehr erwartet. Das letzte Gehöft - welches eigentlich eher einer Festung glich, so sehr waren die Wehranlagen ausgebaut worden, um einem Feind zu trotzen, den es wohlmöglich doch gar nicht gab - hatten sie schon vor Tagen hinter sich gelassen und von nun an nicht mehr damit gerechnet, etwas anderes als das schier unendliche Niemandsland auf der Grenze der Doktrien zwischen Tag und Nacht sehen zu können. Fast wären sie an eben erwähntem Haus vorbeigelaufen ohne es zu bemerken. Es lag ein Stück abseits des ohnehin schon schwer zu erkennenden, weil selten begangenen Weges, in einer Senke, welche von einem kleinen Wäldchen aus Birken, Trauerweiden und einer weiter hinten liegenden, sich im sachten Wind wiegenden Pappelreihe wie von einem Kranz umgeben lag.
Hier war es nun, jenes schiefe und auf den ersten Blick nicht als besonders zu bezeichnendes Domizil eines Unbekannten. War es noch bewohnt? Anscheinend ja - die ordentlich zurückgeschnittenen und getrimmten Hecken, die mit der Kleinlichkeit des Auges eines Uhrmachers gepflanzten Rosenbeete und die gar nur als niedlich zu bezeichnenden Kleinode auf den Fensterbänken legten diese Vermutung nahe. Neugierig, wie die meisten Menschen nun einmal sind, wagten nun auch die tapferen Wanderer, einmal um das Haus herumzugehen.
Im Anschluss an den adretten Rosengarten bot sich dem Auge eine halbrunde, aus großen, hellen, steinernen Platten bestehende Terrasse dar, welche an ihrer hausabgewandten Seite von einem gusseisernen Geflecht überspannt wurde, mit dessen Hilfe ein nur als hühnenhaft zu bezeichnender Efeu ein natürliches Dach bildete.

Unter diesem Dach, und das erstaunte die Menschen nur umso mehr, saß, auf einer gepolsterten Couch, ... ein rosaner Rabe. Die Beine weit von sich gestreckt, in einer Schwinge ein aufgeklapptes Buch, in der anderen eine mit Rosenornamenten verzierte Teetasse, aus der - trotz der warmen Luft - kleine, wohlduftende Wölkchen aufstiegen. Seinen gelblichen Schnabel - und anscheinend auch seine Gedanken - in das Buch vertieft, schien der Rabe seine unverhofften Gäste, die sich ihm zögernden Schrittes näherten, zunächst nicht zu bemerken. Doch dann nahm er einen kleinen Schluck Tee, setzte die Tasse zurück in die Mulde des Untersetzers auf einem kleinen verschnörkeltem Tischchen, legte in aller Ruhe ein Lesezeichen zwischen die Seiten und klappte das Buch zu ...

"Willkommen willkommen meine Freunde ... macht es euch gemütlich. Kaffee oder Tee? Ich habe denen, die gerne zuhören, viel zu erzählen" krächzte er. Einladend deutete er auf ein zweites, noch viel größeres Sofa, welches sich bisher den Blicken entzogen hatte und dem Sofa des Raben schräg gegenüber stand. Vor dem Sofa stand ein niedriges, langes  Tischlein, über und über mit Tassen, Löffeln, Kännchen aus denen es verführerisch duftete und Schüsseln voller Bisquitkekse vollgestellt. "Das ist mein Denksofa, hier ersinne ich wahre Geschichten von allzu fernen und allzu nahen Ländereien und Ereignissen ... Kommt her kommt her" krächzte der Rabe ... und die Wanderer setzten sich um den Geschichten des Raben zu lauschen - Geschichten von Königreichen des Lichts, von den Städten der Dunkelheit - und den Ereignissen auf den undurchsichtigen Schicksalsfäden des ewigen Niemandslandes der Dämmerung ...

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